Selbstmord Gedanken
Zuschrift von Luna, weiblich, 14 Jahre alt
Habe selbstmord Gedanken und brauche Hilfe und Unterstützung.
Antwort vom kummerhilfe.net-Team
Liebe Luna,
ich kann über dich, über dein Leben und das, was dich bewegt, nur Vermutungen anstellen. Du bist ein junges Mädchen von vierzehn Jahren – und es ist nur zu verständlich,dass vieles, was dir passiert und begegnet, Druck und Schmerz auslöst. Dass die Welt manchmal schwer verständlich ist. Es mag auch sein, dass du es mit deiner Familie, deinen Nachbarn, deiner Klasse, deinen Lehrern, nicht gut getroffen hast. Offenbar haben sich die Nöte und Ängste deines Lebens zu etwas verdichtet, das heftig und krass ist: Du denkst darüber nach, zu gehen. Das ist schlimm, und dass du uns geschrieben hast, zeigt, dass du die Situation ernst nimmst.
Ich will nicht versuchen, dir einzureden, dass deine Gedanken sinnlos oder dumm wären. Auch die größte Verzweiflung und der der größte Selbsthass haben immer noch einen verborgenen Sinn. Was bewegt dich, Luna? Ist es das Gefühl, dass du nutzlos wärst, nichts beitragen könntest? Gibt es jemanden, der dir immer wieder das Gefühl gibt, nichts zu können, nicht willkommen zu sein? Bist du verletzt und enttäuscht worden, sehnst du dich danach, diesem Gefühl zu entkommen? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß: Das Nachdenken darüber, diese Welt zu verlassen, ist etwas, das nur Menschen können. Es zeigt, dass wir einen Überschuss an Intelligenz haben. Und auch du musst ein kluger Mensch sein, denn du hast diese Gedanken nicht allein, du bist auch in der Lage, dich neben sie zu stellen und sie als etwas zu erkennen, das bearbeitet werden muss. Eines muss klar sein: Nichts von dem, wozu ich raten kann, ist eine sichere Hilfe. Manchmal geht es nicht ohne therapeutische Unterstützung, und bisweilen ist eine medikamentöse Beihilfe sinnvoll, um die dunklen Gedanken zu bannen und wieder das Helle und Gute in der Welt zu sehen.
Du solltest mit deinen Gedanken nicht allein bleiben. Das ist der erste und wichtigste Schritt. Wenn Menschen davon wissen, denen an dir gelegen ist, dann schaffst du dir eine Sicherheit, falls du eines Tages zu Handlungen bereit sein solltest, die man sich nicht ausmalen will. Versuche, auszudrücken, was in dir arbeitet, Luna. Ob du es durch Kreativität tust, durch Sport und Bewegung, durch Aufschreiben – du wirst bemerken, dass es zwar nicht immer Probleme löst, sie aber wohl überschaubarer und verständlicher macht, wenn man den aufgestauten Gefühlen erlaubt, aus einem herauszufließen. Die Frage, ab wann Ventile nicht mehr helfen und es wirklich notwendig wird, aus dem Alltag ganz herauszutreten und sich vielleicht in klinische Behandlung zu begeben, kann ich als Außenstehender nicht beantworten. Hierzu ist es wichtig, dich zu fragen: Was gibt dir Halt? Tust du die Dinge noch gern, die du immer gern getan hast? Fühlst du Freude und Neugier? Bist du interessiert daran, Menschen zu treffen, zu hören, was bei ihnen los ist? Fühlen Pläne für die Zukunft sich noch attraktiv an? Oder ist alles schon leer, kalt und reizlos geworden? Dann sollte die Reißleine gezogen werden: Vertraue dich jemandem an und nehmt gemeinsam den Weg zu einer Beratung oder zur stationären Aufnahme. Du musst dich nicht rechtfertigen, weil du diese Dinge denkst und fühlst. Aber es wäre traurig und bestürzend, wenn du, die du erst so wenig von der Welt gesehen hast und in ihr noch so viel Schönes finden kannst, deine Lust an ihr nie wieder finden würdest.
Vertrau bei allem darauf, dass du Hilfe und Verständnis auch verdienst, Luna. Wobei wichtig ist: Nicht immer ist das, was jemand in guter Absicht und mit berechtigten Gründen tut, auch das, auch das, was man in einer akuten Schmerzenslage selbst für das Richtige hält. Es kann passieren, dass man Leuten gram ist, die einem eigentlich nur helfen wollen. Auch du wirst das möglicherweise erleben. Dann denk daran: Der Tag mag kommen, an dem du in einer ähnlichen Situation bist. Und für die, die um dich herum sind, hat dein Überleben Priorität. Auch für mich. Denn ich hoffe und wünsche dir, dass du gesunden kannst. Das ist kein einfacher Weg. Aber ich bin überzeugt, dass du ihn gehen kannst und dass an seinem Ende, vielleicht schon bald, etwas Großartiges stehen wird.
Liebe Grüße,
Paul
