Ich bin komplett fertig bin hilf mir! Meine Familie hakt jede einzelne Sekunde auf mir rum!

Zuschrift von Elisa, weiblich, 15 Jahre alt


Ich hab Probleme mit der Familie und deshalb auch starke Aggressionsprobleme und verletze mich deshalb selbst, in dem ich meine Haut aufkratze bis sie supt. Das ist meist so groß wie meine Handfläche und brennt unter Stoff sehr! Ich hab heute z.B meinen Sportbeutel in der Schule vergessen und meine Mutter war dann richtig sauer auf mich obwohl das ja nicht mal so schlimm war. Als mein Vater mich dann gesehen hat, hat er mich angeschnauzt, dass ich so dumm bin und er sehr enttäuscht von mir ist wegen dem Sportbeutel und weil ich in einem Fach eine 3 geschrieben habe. Das hat mein Faß zum überlaufen gebracht (mal wieder), da ich immer wenn ich meine Eltern sehe sie dumme Sprüche äußern und die Augen verdrehen. Das verletzt mich sehr, da ich sie lieb habe aber ich habe das Gefühl dass es andersrum nicht der Fall ist. Ich hab dann vor meinem Vater meine Schulsachen hingeschmissen, hab ihn angeschrien, dass ich nicht perfekt bin und ich nichts dafür kann und bin weggelaufen. Meinen Eltern war das egal. Als ich abends wieder zurück kam, hat meine Mutter mich erst ignoriert und mir dann mein Handy und mein Ipad weggenommen. Danach hat sie mich angeschrien, dass ich so undankbar bin und keiner so eine Idiotin ist wie ich und dann hat sie gesagt dass ich nichts auf die Reihe kriege. Dann wollte ich mich eigentlich morgen das erste mal mit einer meiner wenigen echten Freunden treffen aber meine Mutter hat gesagt ich darf nicht. Beim Essen haben sie dann die ganze Zeit schlechtes über mich gesagt obwohl ich dabei saß. Als Besuch kam haben sie gesagt, das ich eine Zicke bin und sehr undankbar. Ich weiß nicht mehr was ich tun soll. So reden sie jeden Tag über mich und mit mir! Ih kann das alles nicht mehr! In der Schule hab ich nur "Freunde" die nichtmal merken, dass ich da bin und mich eigentlich immer ignorieren und so. Ich fühle mich so schrecklich und als wäre ich nichts Wert. Ich hab mir heute deswegen beide Arme komplett aufgeplatzt!


Antwort vom kummerhilfe.net-Team



Liebe Elisa,

vielen Dank für dein Vertrauen und dafür, dass du deine Situation so offen und genau beschrieben hast. Dadurch wird deutlich, wie sehr dich das alles im Moment belastet. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie verletzt und unglücklich du dich fühlst. Wenn man immer wieder kritisiert wird, abwertende Kommentare hört oder sich übersehen fühlt, dann tut das sehr weh. Es ist absolut verständlich, dass dich das wütend, traurig und verzweifelt macht.

Die Selbstverletzungen, die du beschreibst, zeigen, wie groß der Druck in dir gerade ist. Das ist ein ernstes Zeichen dafür, wie überfordert und unglücklich du dich fühlst. Auch wenn es sich im Moment vielleicht so anfühlt: Du musst damit nicht alleine bleiben. Du darfst dir Unterstützung holen und auch einfordern, dass man dir mit Respekt und Wertschätzung begegnet. Auch deine Eltern sollten sehen, dass dich ihr Verhalten verletzt.

Du bist 15 Jahre alt. In diesem Alter gibt es Erwachsene, die dafür da sind, dich zu unterstützen und dir zu helfen. Auch wenn du gerade das Gefühl hast, dass dich niemand richtig sieht oder versteht, ist es wichtig, dass du dir Hilfe suchst. Es wäre gut, wenn du dich einer Vertrauensperson in deinem Umfeld anvertraust. Im Moment wirkt es so, als würden deine Eltern gar nicht richtig wahrnehmen, wie sehr dich die Situation belastet und wie stark du dich auch von anderen Jugendlichen übersehen fühlst. Der Druck scheint in dir so groß zu sein, dass er kaum noch auszuhalten ist.

Selbstverletzungen können kurzfristig das Gefühl geben, den inneren Druck etwas loszuwerden. Langfristig entstehen dadurch jedoch schmerzhafte Wunden, möglicherweise auch Narben. Außerdem kann es deinem Körper und deinem seelischen Wohlbefinden stark schaden. Deshalb ist es wichtig, dass du dir Hilfe holst, damit du andere Wege findest, mit diesen starken Gefühlen umzugehen. Wenn deine Wunden groß sind, nässen oder sich entzünden, solltest du sie unbedingt sauber und möglichst steril abdecken und sie von einer Ärztin oder einem Arzt anschauen lassen.

Vielleicht gibt es in deinem Umfeld Erwachsene, an die du dich wenden kannst, zum Beispiel:

  • eine Lehrerin oder einen Lehrer, dem du vertraust

  • die Schulsozialarbeit oder Schulpsychologie, falls es das an deiner Schule gibt

  • Verwandte, denen du vertraust

  • Bekannte deiner Familie bzw. von dir wie z.B. Nachbarn oder Freunde

  • die Mutter oder den Vater einer Freundin oder eines Freundes

Versuche, mit jemandem darüber zu sprechen, wie es dir wirklich geht. Du musst diese Belastung nicht alleine aushalten, und es ist völlig in Ordnung, sich Unterstützung zu holen. Falls du gerade niemanden findest, dem du dich persönlich anvertrauen kannst, gibt es auch Beratungsstellen, bei denen du anonym und kostenlos sprechen kannst. Zum Beispiel:

Nummer gegen Kummer: 116 111

Telefonseelsorge: 0800 111 0 333

Dort arbeiten Menschen, die dir zuhören und gemeinsam mit dir überlegen können, welche Schritte dir helfen könnten.

Du hast auch geschrieben, dass es mit deinen Freunden in der Schule schwierig ist und du dich dort oft nicht gesehen oder verstanden fühlst. Das kann sehr einsam machen. Manchmal kann es helfen, zusätzlich etwas außerhalb der Schule zu haben, zum Beispiel eine Sportart oder ein anderes Hobby in einem Verein oder einer Gruppe. Dort treffen Menschen mit ähnlichen Interessen aufeinander, und über ein gemeinsames Hobby kommt man oft leichter ins Gespräch und in Kontakt. Viele Freundschaften entstehen genau auf diesem Weg, weil man etwas gemeinsam macht und sich dabei nach und nach besser kennenlernt.

Zum Schluss möchte ich dir noch etwas Wichtiges sagen: Eine 3 in der Schule oder ein vergessener Sportbeutel sagen nichts darüber aus, wie viel du wert bist. Fehler passieren jedem Menschen. Wir alle vergessen mal etwas oder schaffen nicht alles perfekt. Das macht niemanden zu einer schlechten oder undankbaren Person. Andere Menschen können wir oft nicht verändern. Was aber möglich ist, ist, dass du dir Unterstützung holst und Wege findest, die dir helfen, besser mit dieser Situation umzugehen und wieder mehr Halt zu bekommen. Du hast mit deiner Nachricht bereits einen wichtigen ersten Schritt gemacht, indem du über deine Situation gesprochen hast.

Ich bin überzeugt davon, dass deine Situation sich zum Positiven verändern kann.

Ich wünsche dir alles Gute,

Julia